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Aufzeichnungen von Marilyn Monroe auf der Buchmesse vorgestellt

Anna Strasberg

Anna Strasberg

Marilyn Monroe, tragischer Hollywoodstar, Vorzeigeblondine und nun das: Poetin. Die Vorstellung ihres literarischen Nachlasses ist das erste Highlight der Frankfurter Buchmesse, die nun eröffnet.

In Frankfurt beginnt die Buchmesse. 7.500 Aussteller aus mehr als 100 Ländern präsentieren vier Tage lang ihre Produkte. Mit Spannung erwartet wird eine Pressekonferenz zu den überraschend aufgetauchten Aufzeichnungen von Marilyn Monroe. Schon am ersten Messetag werden zahlreiche bekannte Autoren erwartet, unter ihnen Ingrid Noll, Martin Mosebach, Frank Schätzing und Martin Suter. Eine Jury prämiert den kuriosesten Buchtitel, ein Verlag präsentiert das mit mehr als 50.000 Seiten “dickste Buch des Universums”. Beherrschendes Thema hinter den Kulissen ist die Digitalisierung des Buchmarktes.

Das literarische Vermächtnis der Hollywood-Legende Monroe gilt als eine kleine Sensation. Anna Strasberg, die Witwe von Monroes Schauspiellehrer und Nachlassverwalter Lee Strasberg, fand zahllose Dokumente in zwei Kisten beim Aufräumen auf ihrem Dachboden, in denen Gedichte, Notizen, Einkaufslisten, Briefe, Kochrezepte – und sogar ganze, mit Schreibmaschine getippte Din A4-Seiten schlummerten. Die Herausgeber Stanley Buchthal und Bernard Comment haben all das nun zu einem Buch zusammengefasst. Unter dem Titel “Marilyn Monroe – Tapfer lieben” wollen sie das, was Comment den “literarischen Nachlass” der Monroe nennt, der Öffentlichkeit präsentieren und zeigen, dass sie nicht nur Sexsymbol und die Frau von Schriftsteller Arthur Miller war – sondern auch selbst eine Poetin.

“Sexy – aber dämlich”

“Ich denke, dass viele Leute in ihr immer noch eine dumme Blondine sehen – sexy, aber dämlich”, sagt Herausgeber Comment. “Und ich denke, dass diese Menschen entdecken werden, dass sie eine Poetin war und ziemlich clever.” Das erste Kapitel des Buches ist mit “Private Aufzeichnungen” überschrieben und zeigt mit Schreibmaschine beschriebene Seiten über die erste Ehe Monroes mit James Dougherty, den sie im Jahr 1942 heiratete – als der spätere Kino-Star noch Norma Jeane hieß und erst 16 Jahre alt war. Belastet von der Untreue ihres Mannes sinniert sie über ihre Beziehung und die Bedeutung der Liebe.

“In dieser Phase kamen mir große Zweifel, ob dieser junge Mann von 21 Jahren meinem unbewussten Bild von einem Traummann nicht unwirklich wäre ­ wahrscheinlich fühlte ich mich zu ihm als einem der wenigen jungen Männer hingezogen, die mich sexuell nicht abstießen”, schreibt sie. Und: “Ich glaube, meine Liebe, wenn das das richtige Wort ist, war vor allem das herrlich berauschende Gefühl, begehrt, geliebt & umhegt zu werden & etwaige sexuelle Anziehung.”

Kein Buch über sie, sondern von ihr

Es folgen Aufzeichnungen unterschiedlichster Art: To-do-Listen, Einkaufszettel und Rezepte für Brathuhn oder Roastbeef, in denen sich die Monroe daran erinnert “keinen Knoblauch” zu benutzen. Auf den Seiten dazwischen sind größtenteils unbekannte Bilder der schönen Blondine zu sehen. Auf den meisten liest oder schreibt sie. “Es sollte keins der üblichen Bücher über sie werden, es sollte ein Buch von ihr sein”, betont Comment.

Über kaum jemanden ist soviel geschrieben und gemutmaßt worden wie über Marilyn Monroe. Schon ihr bürgerlicher Name gibt Rätsel auf. Zwei Schreibweisen des Vornamens – Norma Jean und Norma Jeane – sind verbreitet. Und obwohl Baker gemeinhin als ihr Geburtsname gilt, war es doch wahrscheinlich Mortenson, der Name des Mannes, der als ihr Vater gilt. Schon Zeit ihres Lebens ging eine Faszination von ihr aus, nach ihrem frühen Tod im Alter von nur 36 Jahren durch eine Überdosis Schlaftabletten, um den sich bis heute zahllose Gerüchte und Verschwörungstheorien ranken, wurde die Monroe zum Mythos.

“Im Hinterkopf hat man immer ihr tragisches Ende”

Wer von dem Buch restlose Aufklärung erwartet, wird sicher enttäuscht. Neue Enthüllungen über ihre Beziehung zu den Kennedy-Brüdern gibt es nicht – dafür aber eine ganz andere Seite der vielleicht bekanntesten Schauspielerin der Welt zu entdecken.

“Man sieht Marylin Monroe, von der man so viel zu wissen glaubt, plötzlich mit anderen Augen. Eine verletzliche Frau, die auf immer dünner werdendem Eis lebt”, sagt der Programmleiter Internationale Literatur des S. Fischer Verlages, Hans Jürgen Balmes, und spricht von einem “Gänsehauterlebnis”. “Man bangt mit ihr und wünscht sich inständig, dass sie davonkommt, einen Ausweg findet. Doch im Hinterkopf hat man immer ihr tragisches Ende.” Gänsehaut bereitet vor allem eins ihrer Gedichte: “Verdammt, ich wünschte ich wäre tot ­ gar nicht vorhanden ­ fort von hier ­ von überall.”

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