Kunst von A-Z (Glossar)

Absolute Malerei

Bezeichnung für eine ungegenständliche, von allen inhaltlichen Bezügen gelöste Variante der abstrakten Malerei. Bereits um 1900 definierte Adolf Hoelzel: „Absolute Kunst ist jene, in der die Kräfte der künstlerischen Mittel am wenigsten beeinflusst zur Geltung kommen.“ So konnte der Begriff auch als gleichbedeutend mit „abstrakt“ verwendet werden, da die Konzentration auf die rein künstlerisch-ästhetischen Mittel von Farbe und Form durch keine gegenständliche-inhaltliche Darstellungsfunktion relativiert sei. Auch Kandinsky gebraucht 1913 diese Gleichsetzung, obwohl er von der emotionalen Ausdrucksmöglichkeit von Farbe und Form überzeugt war. Der Begriff, der letzten Endes nicht von der abstrakten Malerei zu sondern ist, wird häufig als synonym gebraucht für „konkret“. (Konkrete Malerei, De Stijl).

Abstrakte Malerei

Vom lateinischen Wortsinn her meint „abstrakt“ jene Gestaltung, die von den zufälligen Besonderheiten des Naturvorbildes auf das Wesentliche abzielt. In diesem sinne ist jedes Kunstwerk abstrakt, das seine mehr oder weniger realitäts-abbildende äußere Gestalt zu einem tiefer liegenden Gehalt zu transzendieren sucht. Im spezifischen Wortsinn meint der Begriff eine „ungegenständliche Malerei“, d.h. eine Kunst, die den Bezug zur sinnlich-konkreten Erscheinungsweise der Realität aufgibt und die Imitation des Naturvorbildes verlässt, um im reinen Hantieren mit den der Malerei wesenseigenen Mitteln zur Schaffung autonomer künstlich-künstlerischer Gebilde zu gelangen. Somit verzichtet abstrakte Malerei auf die Spannung von Naturform und Kunstform und operiert konkret und absolut nur mit den Mitteln Form, Farbe und Linie, weshalb sich auch die Bezeichnungen „Konkrete Malerei“ und „Absolute Malerei“ finden. Michel Seuphor, ein Wegbereiter der abstrakten Malerei, formulierte es so: „Ich nenne jede Kunst abstrakt, die keine Erinnerung, keinerlei Hinweis auf die sichtbare Wirklichkeit hervorruft, ob diese Wirklichkeit für den Künstler Ausgangspunkt war oder nicht. Jede Kunst, die man berechtigterweise nur nach dem Gesichtspunkt der Harmonie der Komposition, der Ordnung oder der Disharmonie, der Dekomposition, der willkürlichen Unordnung zu beurteilen hat, ist abstrakt.“

Diese Definition erklärt, warum als „abstrakt“ auch Teilbereiche älterer Kunst (ostasiatische Kalligraphie, dekorativ-ornamentale Aspekte in der Buch- oder Ikonenmalerei u.ä.) bezeichnet werden können. Solche Abstrahierungsvorgänge schließen wie die der modernen Kunst die inhaltlich-symbolische Komponente als Abbildung einer übersinnlichen Wirklichkeit nicht aus. Die Definition erfasst aber nicht jene Bereiche der modernen Kunst, wo sich, etwa in der Collage, Dingzeichen in ungegenständlichem Ambiente finden, oder wo sich, häufig etwa im Informel, abstrakte Gebilde zu Gegenstandsassoziationen verdichten. Aus dem auch von der modernen Naturwissenschaft erschütterten Glauben an die Wirklichkeit des Sichtbaren heraus gelangten viele Strömungen der Malerei des 20. Jh. zur Verabsolutierung des Ungegenständlichen. Vorbereitet wurde die Entwicklung durch den Impressionismus, Neoimpressionismus, die Malerei der Nabis, den Jugendstil, den Fauvismus, Kubismus und Expressionismus, d.h. jene Strömungen, in denen sich zumindest teilweise die Elementarien von Form und Farbe zu verselbständigen beginnen. Wer den Schritt zur reinen Abstraktion als erster vollzog, steht nicht fest. Beziehungen von Malerei und Musik spielten dabei jedenfalls eine große Rolle. In diesem Sinne schuf Mykolas Ciurlionis 1907 abstrakte Symbolbilder, 1909 malte Francis Picabia das abstrakte Bild CAOUTCHOUC (Paris, Musée National d’Art Moderne) und 1910 schuf Wassily Kandinsky sein erstes abstraktes Aquarell. Auch er betonte die Analogie von abstrakter Malerei und Musik, ebenso wie der in Paris arbeitende Frank Kupka. Kandinsky systematisierte die Abstraktion und fand zunächst in Russland Widerhall, wo es zur Entwicklung des Rayonismus und des Suprematismus kam; Tendenzen, die in den Konstruktivismus einmündeten. Die geometrisch-konstruktive Komponente der abstrakten Malerei kulminierte im Bauhaus und vor allem im Neoplastizismus Piet Mondrians und der Greppe De Stijl. Die die Farbe und das expressiv Emotionale betonende Komponente der Kunst Kandinskys initiierte andererseits die Lyrische Abstraktion, den Abstrakten Expressionismus und ging auch in den Orphismus ein. In der 1930 in Paris gebildeten Gruppe Cercle et Carré und in der 1932 konstituierten Gruppe Abstraction-Création trat die abstrakte Malerei erstmals geschlossen in Erscheinung. Ihr Programm wurde 1946 vom Salon des Réalités Nouvelles weitergeführt. Nach 1945 gewann die Abstraktion zunehmend an Einfluss, so in der Art brut, dem Informel, den Gruppen Dau al Set und El Paso. Mit dem Spazialismo, der Gruppe Zero, der Groupe de Recherche d’Art Visuel, der Kinetischen Kunst und der Opart, dem Color field painting und der Neuen Abstraktion bestimmt die abstrakte Malerei einen großen Sektor der Gegenwartskunst.

Abstrakter Expressionismus

In den 40er Jahren bildete sich in den USA unter dem Einfluss emigrierter Surrealisten eine Bewegung junger Künstler, für die, ausgehend vom surrealistischen Automatismus, der Malprozess selber als unmittelbarer Ausdruck, als spontane Freisetzung aus dem Unterbewusstsein kommender Empfindungen und Energien wichtig wurde. Führend war Jackson Pollock, der das „Action-Painting“ und das Dripping entwickelt. Weitere wichtige Vertreter sind Hans Hofmann, Arshile Gorky, Willem de Kooning, Philip Guston, Robert Motherwell, Franz Kline, Mark Rothko. Verwandte Tendenzen verfolgte in Europa der Tachismus.

Académie Julian

Eine der bedeutendsten privaten Akademien des 19. und 20. Jh., die 1860 in Paris gegründet wurde, und an der so bekannte Künstler wie Henri Matisse, André Derain, Fernand Léger, Marcel Duchamp studierten. Der Erfolg dieser Kunstschule basierte auf ihrer behutsamen Anregung und Leitung anstatt eines strengen Reglements.

Action-painting

Aus der vom Surrealismus kommenden automatischen Übertragung des Unbewussten auf die Leinwand über den abstrakten Expressionismus entwickelte Jackson Pollock die Aktionsmalerei, die auch von anderen übernommen und praktiziert wurde. Der Malvorgang selbst wurde das Wichtigste, ein Ritual. Beim Dripping wurde die oft unpräparierte und meist großformatige Leinwand aus durchlöcherten Büchsen impulsiv mit Farben beträufelt oder die Leinwand wurde einfach mit Farbe beworfen. Unter Ausschaltung jeglicher rationaler Kontrolle entstanden rhythmische Muster und Linien, die Energien des innersten Selbst ausdrücken sollten.

A guazzo (italienisch: „im Nassen“)

Deckende Wasserfarbenmalerei, Gouache. Mit Wasser vermalte, magere Tempera, die meist ohne Grundierung auf Papier oder feines Gewebe aufgetragen und nicht gefirnisst wird. Häufig auch zur Grisaille-Untermalung von Ölbildern und al secco in der Wandmalerei angewandt.

Akt

Zunächst Bezeichnung für eine bestimmte Position des menschlichen Körpers, die zu Studienzwecken eingenommen wird, dann für die Studie selber und schließlich für jede Darstellung des nackten menschlichen Körpers. In diesem Sinne gibt es Akte schon seit den Anfängen der Kunst. In der griechischen Kunst erreichte die Wiedergabe des nackten Körpers ihren klassischen Höhepunkt. In der christlichen Kunst wird die Nacktheit nur zugelassen, wenn sie inhaltlich begründet ist (Adam und Eva, Taufe, Christi u.ä.) oder in christlich umgedeuteten mythologischen Sujets. so lebt im Putto der Renaissance und des Barock die „heidnische“ Nacktheit Amors nach. Mit dem Naturalismus des 15. Jh. werden auch Akte immer wahrheitsgetreuer gestaltet. Als die ersten Akt-Porträts gelten die Figuren Adams und Evas am Genter Altar. In der Renaissance, die das antike Körperideal übernimmt und anatomische Studien betreibt, dienen Akte zum einen Proportionsstudium, zum anderen der Bestätigung des Leiblichen als Komponente des Individuums. Im Manierismus ist der Akt häufig Symbol kosmischer Zeugungskraft oder kaum verschleierter sexueller Reiz. Bis dahin meist durch mythologische Themen motiviert, erhält der Akt seit dem 18. Jh. einen gesteigerten Eigenwert. 1756 werden erstmals auch weibliche Aktmodelle in den Akademien zugelassen.

Aquarell

Malverfahren auf der Grundlage eines feinkörnigen, mit Bindemitteln versetzten, mit Wasser vermalten Farbpulvers, das nach dem Trocknen wasserlöslich bleibt. Diese Technik wurde seit jeher auf unterschiedlichsten Bildträgern angewendet. Heute versteht man unter Aquarell jedoch ausschließlich die transparente Wasserfarbenmalerei auf Papier oder Karton. Charakteristisch dafür ist der weitgehende Verzicht auf eine zeichnerisch harte Konturierung, sowie das transparente Durchscheinen des Malgrundes, der, stellenweise freigelassen, auch das Weiß im Bilde darstellt. Weißeffekte können auch durch „Höhung“ mit Deckweiß erzielt werden. Werden alle Aquarellfarben mit einem Zusatz von Deckweiß vermischt, so nähern sie sich der deckenden Gouache an. Der Arbeitsvorgang verläuft immer von den hellen zu den dunklen Partien. Nach dem Auftrocknen sind nachträgliche Aufhellungen oder andere Korrekturen kaum noch möglich. Aquarellmalerei findet sich bei den ägyptischen Totenbüchern, chinesischen Rollbildern und den altchristlichen Katakombenmalereien. In der mittelalterlichen Buchmalerei erscheint sie neben der Deckfarbenmalerei. In der Renaissance diente sie hauptsächlich dem Lavieren von Handzeichnungen und für Skizzen zu Gemälden, Fresken und Bildteppichen. Einzig Albrecht Dürer schöpfte in Landschafts- und Naturstudien die spezifischen Möglichkeiten dieser Technik voll aus. Im 16. und 17. Jh. wurde das Aquarell in breiten Kreisen als auch von Laien ausgeübt. Zu einer eigenständigen Bildgattung, Dürers Intentionen folgend, wurde es jedoch erst im späteren 18. Jh., wobei England führend war. Hier wandte man auch erstmals der Vorbereitung des Papiers, das durchgefeuchtet aufgespannt wurde, zu. Paul Sandby widmete sich ausschließlich dem Aquarell. Bei William Turner erreichte die transparente Leuchtkraft des Aquarells ihren Höhepunkt. Von England kam diese perfektionierte Technik zu den französischen und deutschen Romantikern. Im ganzen 19. Jh. erfreute sich das Aquarell großer Beliebtheit. Im 20. Jh. waren es der Expressionismus und Strömungen der abstrakten Malerei, die es weiter pflegten.

Art brut („Rohe Kunst“)

1945 von Jean Dubuffet als Sammelname für Werke von Personen ohne künstlerische Ausbildung und akademische Normen. Dubuffet selbst sammelte Bilder von Geisteskranken, Kindern und Primitiven und gründete 1947 ein Foyer de l’Art brut, aus dem eine Compagnie de l’Art brut hervorging. An der unter anderem André Breton und Michel Tapié beteiligt waren. Eine der wichtigsten Voraussetzungen des Informel.

Aureole
Der den auferstanden Christus umgebende Lichtschein oder Strahlenkranz (lat. aureolus=golden; Mandorla, Nimbus, Immaculata)

Biedermeier

Kultur- und kunstgeschichtliche Bezeichnung für die unpolitische Zeit des Vormärz zwischen 1815 und 1848. Der Begriff geht auf die Gedichte „BIEDERMANNS Abendgemütlichkeit“ und „BUMMELMEIERS Klage“ zurück, die Viktor und Scheffel 1848 in den „Münchener Fliegenden Blättern“ veröffentlichten. Er sollte zunächst die kleinbürgerliche Geisteshaltung persiflieren, später wurde er identisch mit gediegener Wohnkultur und unpathetischer, kleinteiliger, intimer Malerei. Sorgfältige Technik und Wirklichkeitstreue sind das Ziel. Dargestellt in den unheroischen Schlachtenbildern Wilhelm von Kobells, im bürgerlich-einfachen Porträt, in der übergenauen Erfassung der heimatlichen Landschaft (Waldmüller) oder in der liebenswerten karikierenden Figurenwelt eines Carl Spitzweg. Typisch ist auch die Hinwendung zum bürgerlichen Genre, zum Märchen und zur Idylle (Ludwig Richter, Moritz von Schwind)

Blaue Reiter, Der

Künstlergemeinschaft die 1911 in München von Wassily Kandinsky und Franz Marc gegründet wurde. Der Name leitet sich von dem Titel eines 1903 von Kandinsky gemalten Bildes her. Es erinnert an die Auslegung der Farbe Blau als Symbol des Geheimnisvollen in der Romantik und deckt so eine der künstlerischen Wurzeln dieser Gruppe auf. Zu ihren wichtigsten Mitgliedern zählten auch August Macke, Alfred Kubin, Gabriele Münter, Paul Klee. In enger Verbindung zur „Blauen Reiter Gruppe“ standen Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Heinrich Campendonk und Arnold Schönberg. In den Ausstellungen der Gruppe wurden dem deutschen Publikum auch Werke von ausländischen Künstlern Braque, Picasso, Delaunay, Derain, Arp, Larionov, Malewitsch vorgestellt. Im Gegensatz zur zweiten wichtigen deutschen Expressionistengruppe, die Brücke, suchte der Blaue Reiter die bisherigen Grenzen des künstlerischen Ausdrucksvermögens zu erweitern, um zu einer absolut eigengesetzlichen Bildwelt vorzudringen. Damit legte er eines der Fundamente für die Entstehung der abstrakten Malerei. Durch eine mystisch-innerliche Konstruktion des Weltbildes suchte man andererseits die neue Kunst mit neuen Symbolgehalten zu füllen.

Brücke, Die

1905 von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl in Dresden gegründete Künstlervereinigung, die zu den wichtigsten Repräsentanten des Expressionismus zählte. In dem von Kirchner 1906 verfassten und mit Holzschnitten geschmückten  Manifest der „Brücke“, wird eine neue geistige Haltung propagiert: „Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt was ihn zum Schaffen drängt.“ Die „Brücke“-Künstler suchten Anregungen bei altdeutschen Holzschnitten, bei der Schnitzkunst der Südseeinsulaner und Afrikaner, bei Edvard Munch, den Nabis, Fauves und beim Kubismus. Nach spätimpressionistischen Anfängen, wandten sie sich 1906 einer archaisierenden Formgebung zu, geprägt durch starke Farben, Monumentalität und Flächenhaftigkeit. Zu den Leistungen der Gruppe, der auch Max Pechstein, Otto Mueller und kurzfristig Emil Nolde angehörten, zählen die Wiederbelebung des Holzschnittes als künstlerisches Ausdrucksmittel und neue Impulse für das Aquarell. Im Gegensatz zu den Vertretern des Blauen Reiters dominierte bei Ihnen die Vorliebe für Dämonie und elementare Sinnlichkeit. 1913 löste sich der engere Kreis der Brücke auf. 1933 wurden alle Mitglieder als entartet gebrandmarkt.

Cobra

Internationale Künstlervereinigung die 1948 in Paris gegründet wurde auf initiative u.a. von Asger Jorn. Weitere Mitglieder waren Karel Appel, Constant und Corneille. In Anlehnung an Jean Dubuffets Art brut strebten diese Künstler eine abstrakt-figurative, spontane und gefühlsgeladene Gestaltungsweise an. Sie ließen sich auch von Kinderzeichnungen und der Kunst der Primitiven anregen. Viele Werke dieser von kollektiven Arbeits- und Experimentierweisen geprägten Gruppe, erinnert an Action-painting. Natürlich geprägt von Formen die mythologisches oder archaisches hervorrufen. Höhepunkt der Bewegung  war die große Ausstellung vom November 1949 im Stedelijk Museum in Amsterdam. 1951 löste sich die Gruppe schließlich wieder auf.

Combine paintings

Montagebilder, welche unter dem Einfluss der Collagen von Robert Rauschenberg in den 50ern und 60er Jahren entwickelt wurden und die industrielle Konsumgegenstände in ein malerisches und plastisches Ambiente einbeziehen. Die Standardprodukte der Industriegesellschaft erhalten in diesem Kontext einerseits neue ästhetische Reize und werden andererseits aber auch ironisch verfremdet.

Dachauer Schule

Eine Künstlerkolonie, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jh. um den Landschaftsmaler Johann Georg von Dillis zusammenfand, unter anderem Christian Morgenstern und Carl Spitzweg. 1888 bildete sich die Gruppe der so genannten „Neu-Dachauer” um Adolf Hoelzel, Arthur Langhammer, Ludwig Dill und Fritz von Uhde. Nachdem 1899 Ludwig Dill und 1906 Adolf Hoelzel Dachau verlassen hatten, verlor die Künstlerkolonie ihre Bedeutung.

Dadaismus

Internationale Kunstbewegung benannt nach dem französischen Wort „Dada” für „Steckenpferd”. Verbindend für alle Künstler war nicht die Festlegung auf einen Stil: „Dada hatte das Programm, keines zu haben…” (H. Richter), sondern die politische-antibürgerliche Grundhaltung und die Freisetzung verborgener, von Kulturnormen blockierter, schöpferischer Kräfte. Die Bewegung nahm 1916 ihren Ausgang vom „Cabaret Voltaire” in Zürich. Die Dadaisten erstrebten eine Überwindung des Kubismus und Futurismus mit Hilfe einer ironischen Synthese des Primitiv-Banalen und modernster Technik. Lärmmusik, Simultangedichte, provozierende Collagen und Assemblagen aus banalsten Industriegegenständen gehörten zu ihren Ausdrucksmitteln. Gründungsmitglieder der Bewegung die rasch Zweiggruppen unter anderem in Paris, New York, Köln, Hannover und Berlin bildete, waren Hans Arp, Tristan Tzara, Hugo Ball und Richard Huelsenbeck. Anhänger oder zeitweise Vertreter waren Marcel Duchamp, Man Ray, Max Ernst, Kurt Schwitters, Francis Picabia, George Grosz. Die nihilistischen Tendenzen des Dadaismus mündeten aber bald in „konstruktive”, wie dem Surrealismus und in neuere wie der Pop-Art, ein.

Dripping („Tröpfeln”)

Eine Technik, mit der Max Ernst und Hans Hofmann schon in den 20er und 40er Jahren experimentierten und die dann durch Jackson Pollock besondere Bedeutung gewann. Durch eine durchlöcherte Büchse wurde Farbe auf eine am boden liegende, meist großformatige Leinwand geträufelt. Durch rhythmische Bewegung entstehen Muster, die als Träger von spontan aus dem Unbewussten, jegliche Störung durch den Intellekt ausschaltende Energie, aufgefasst werden. Die Leinwand wird zur Handlungsbühne, um die herum der Künstler sich rhythmisch bewegt.

Düsseldorfer Schule

Die Kunstakademie in Düsseldorf war unter Peter von Cornelius ein Mittelpunkt nazarenisch-romantischer Bestrebungen (Nazarener). Seit 1826 unter Wilhelm von Schadow profilierte sie sich als „Düsseldorfer Schule”. Neben den Anhängern der nazarenisch-klassizistischen Traditionen traten die Vertreter einer wirklichkeitsbezogenen bürgerlichen Historienmalerei hervor. 1833 richtete Schadow eine Klasse für Landschaftsmalerei unter Johann Wilhelm Schirmer ein und tolerierte die Genremalerei, die Cornelius abgelehnt hatte. Auf diesen Gebieten ging die Wirkung der Schule, der sich zahlreiche amerikanische (Worthington, Whittredge, William Stanlay Haseltine, William Trost Richards), skandinavische (Adolf Tidemand, Hans Ynde, Hermann Cappelen, Johann Fredrik Eckersberg, Carl Lützow d’Unker) und russische Maler anschlossen, über Deutschland hinaus.

École de Paris

Bezeichnung vor allem für die ausländischen Vertreter der Pariser Kunstszene 1905-25. Eine Sondergruppe die „Peintres maudits”, bildeten jüdische Emigranten wie Marc Chagall, Chaim Soutine, Jules Pascin, Moise Kisling sowie Amedeo Modigliani, die einen expressionistisch gefärbten Stil vertraten. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges auch auf abstrakte Strömungen in Paris angewandt (so genannte zweite Schule von Paris).

Expressionismus

Europäische Kunstströmung von etwa 1905-25, an der Deutschland maßgeblich beteiligt war. Vorläufer waren Maler wie Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Edvard Munch. 1911 tauchte der Begriff „Expressionismus” auf und wurde bald auf die Vertreter der Künstlergruppen des „Fauvismus, des Blauen Reiters, der Brücke und des Sturm” angewandt. Gemeinsam hatten alle diese Richtungen die von sujektiven Gefühlswerten dominierte Starkfarbigkeit, Ausdruckskraft der Linien und kräftige Konturen sowie eine abstrahierende Vereinfachung des Gegenständlichen zum Plakativen und Großflächigen und einen Hang zum Deformierten und perspektivisch Verzerrten. Die Anfänge des Expressionismus in Deutschland sind gegeben mit der Gründung der Brücke 1905 und des Blauen Reiters 1911. Einzelgänger wie Oskar Kokoschka, Emil Nolde, Paula Modersohn-Becker, Christian Rohlfs, Ludwig Meidner kamen hinzu. In Frankreich nahm Georges Rouault mit seinen religiös orientierten Bildern eine künstlerische Sonderstellung ein. Eine Mittelposition zwischen Fauvinismus und Blauem Reiter hatten die so genannten „rheinischen Expressionisten” inne wie z.B. Jan Thorn-Prikker, Heinrich Nauen, Heinrich Campendonk. Seit 1912 sind Karl Hofer, Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz und Oskar Kokoschka der Künstlergruppe dem Sturm zuzurechnen. Nach dem Ersten Weltkrieg bildeten die jüdischen Maler der École de Paris eine eigene Version des Expressionismus aus. Zum flämischen Expressionismus zählten unter anderem Constant Permeke, Gustave de Smet und Albert Servaes. Expressionistische Tendenzen gingen in den Muralismo, den Abstrakten Expressionismus, ins Informel, in Art brut und die Gruppe Cobra ein.

 

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