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Wie erkennt man Kunstfälschungen?

Jan Vermeer erwähnte bereits vor 500 Jahren: „Solange es Kunstwerke gibt, gibt es auch Fälschungen“. Tatsache ist, dass mit Fälschungen bereits zu Vermeers Zeiten gut gehandelt wurde und dies wird bestimmt auch über unsere Zeit hinaus andauern. Heutzutage sind Kunstfälschungen häufiger zu finden als jemals zuvor. Kunsthändler behaupten, dass 15% aller Kunstwerke, welche auf Auktionen verkauft werden, Fälschungen sind. Thomas Having, ehemals Direktor des Museums of Modern Art in New York erklärte, dass 40% aller Kunstwerke, die ihm für das MOMA vorgeschlagen wurden, Fälschungen waren.

Es gibt Experten die behaupten, dass 60% aller Giacometti Kunstwerke Fälschungen sind. Wie aber erkennt ein Kurator, ob ein Kunstwerk echt oder eine Fälschung ist?

Diese Antwort liegt bei den Detektiven der Kunstwelt; also Konservatoren, Geschichtsforscher oder Wissenschaftler in Laboren.

Aus Laborsicht stehen unterschiedliche Hilfsmittel und Werkzeuge zur Verfügung, wie beispielsweise das Elektronenmikroskop, ultraviolettes Licht, Infrarot und verschiedene Typen von Röntgenstrahlen.

Röntgenstrahlen und Kunst haben eine lange gemeinsame Geschichte. 1896 kamen zum ersten Mal in Frankfurt Röntgenstrahlen im Kunstsektor zum Einsatz. 1925 wurde sie regelmäßig am Fogg Museum an der Harvard Universität angewendet.

Es gibt verschiedene Methoden der Radiografie. Eine davon nennt sich Autoradiografie. Eine andere Methode ist die Verwendung von Neuronendetektoren, welche nicht ganz so häufig zum Einsatz kommt. Neuronendetektoren sind sehr effektiv bei der Untersuchung von Holzplatten. Im folgenden Beispiel betrachten wir die so genannte Stereoradiografie näher. Diese Röntgenstrahlen haben dieselbe Wellenlänge wie die in der Medizin verwendeten. Nämlich 0 5-2-0.

Die Arbeit von Röntgenspezialisten als Kunstdetektive kommt zum Einsatz, wenn es darum geht, Kunstwerke als Echt zu bestätigen. Die National Gallery of Scotland (NGS) eröffnete einmal eine Ausstellung mit dem Namen: Madonna mit der Spindel. In der Ausstellung wurden nur fünf Gemälde, welche alle Leonardo Da Vinci zugeschrieben waren, gezeigt.

Eines der fünf Gemälde gehörte der NGS, ein anderes dem Duke von Buccleuch und die drei anderen waren in Privatbesitz. Drei von ihnen waren offensichtlich Kopien aus der Zeit nach Leonardo. Unglücklicherweise war eines der drei im Besitz des Museums. Die beiden verbleibenden, welche möglicherweise Originale sein konnten, gehörten dem Duke und einem privaten Sammler.

Da Vinci war ein vielbeschäftigter Mann. Sein Leben ging über dem eines Künstlers hinaus. Er war auch noch Erfinder und Wissenschaftler. Während seiner Schaffenszeit schrieb er auf über 10.000 Seiten seine Erfindungen, Ideen und Forschungsergebnisse nieder. Es wird angenommen, dass er nur 13 bis 19 Kunstwerke persönlich beendete.

Die beiden Gemälde trafen definitiv den Stil der Da Vinci Schule. Wie konnte der Kurator (Martin Kemp) nun herausfinden, ob die Gemälde echt oder eine Fälschung sind?

Er hatte Wissenschaftler an seiner Seite, welche mehrere Tests durchführten. Die ersten Röntgenaufnahmen brachten bereits Hinweise, denn das Gemälde des Dukes zeigte, dass die erste Schicht unter dem Fuß der Jungfrau übermalt wurde. Solche Methoden waren typisch für Leonardos Stil. Doch die weiteren Röntgenuntersuchungen zeigten, dass das Gemälde von New York auch Übermalungen an verschiedenen Stellen aufwies. Welches Gemälde also wurde wirklich von Leonardo gemalt?

Die Experten tendierten dazu, beide Gemälde als echt einzustufen. Eines war den frühen Ateliers Leonardos zugeordnet und das zweite einer späteren Schaffenszeit Leonardos. Aber dies war nur eine Hypothese.

Durch Jahrhunderte hindurch waren Leinwände und Holzplatten sehr teuer und wertvoll. Weder Fälscher noch Meister konnten sich leisten Leinwände und Holzplatten verschwenderisch zu nutzen. Deshalb benutzten verschiedene Künstler in unterschiedlichen Epochen die gleichen Leinwände und Holzplatten immer wieder. Manchmal liegen drei bis vier Malereien übereinander.

Diese Untermalereien, wie sie genannt werden, existieren bei Originalen als auch bei Fälschungen. Es gab ein Kunstwerk von Picasso namens „Absinthtrinker“, dass angeblich aus Picassos Blauer Periode stammte. Die Röntgenstrahlen zeigten eine abstrakte Malerei darunter. Geschichtlich nicht möglich.

Es gab auch ein Gemälde namens „Der heilige Antonius Eremita“, von dem behauptet wurde aus der Hand von Bernhard Strigel aus dem Jahr 1460 zu stammen. Röntgenaufnahmen enthüllten, dass ein Bild darunter von einem Künstler stammt, der 250 Jahre nach Strigel lebte.

hanDer vielleicht beste Fälscher aller Zeiten, ein Holländer namens Han van Meegeren, war sich der Wirkung von Untermalereien sehr bewusst. Van Meegeren wurde berühmt für seine Vermeer Fälschungen. Van Meegeren kopierte nicht bekannte und existente Gemälde, sondern Vermeers Stil und verkaufte diese als Neuentdeckungen. Er fälschte insgesamt sechs Gemälde. Seine Arbeit war so makellos, dass die Entdeckung der Fälschungen ein bedeutungsvolles Beispiel dafür war, wie die Wissenschaft dem Kunsthandel dient. Alle Gemälde von Van Meegeren waren technische Meisterleistungen. Die verwendeten Farben waren gleich der des 17. Jahrhunderts. Die Leinwände kamen aus dem 17. Jahrhundert.

Zwei der sechs Gemälde waren wohl die berühmtesten Fälschungen aller Zeiten. Van Meegeren kaufte Arbeiten aus dem 17. Jahrhundert und reinigte diese vorsichtig mit Wasser und Bims. Sehr wichtig dabei war das Netz an Rissen nicht zu beschädigen, um das Alter der Gemälde nachweisen zu können.

Caravaggio.emmaus.750pixEinige Experten vermuteten, dass Vermeer eine Vorliebe für italienische Gemälde hatte. Deshalb malte Meegeren „Christus und seine Jünger in Emmaus“. Als Vorlage diente dafür das “Abendmahl in Emmaus” von Michelangelo Caravaggio. Nun glaubten alle Fachleute, Vermeer folgte seiner Vorliebe für italienische Kunst.

Für einige Experten war es jedoch unverständlich das sechs unbekannte Vermeers während des Zweiten Weltkrieges auftauchten. Röntgenaufnahmen enthüllten bei einem Gemälde das Gesicht einer Untermalerei, das Meegeren nicht entfernen konnte. In seiner Vermeer Version des letzten Abendmahls wurde er nachlässig oder zu selbstsicher. Röntgenaufnahmen enthüllten eine Jagdszene als Untermalerei. Malereien wurden typischerweise mit drei Schichten erstellt. Der Untergrund, das Bild und der Lack. Bei der Verwendung von Röntgenaufnahmen wurde festgestellt, dass Meegerens Arbeiten aus fünf Schichten bestanden. Eine zweijährige Untersuchung, geleitet von Dr. Coreman, erbrachte die notwendigen Nachweise. Van Meegeren wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er verstarb jedoch bevor er die Strafe absitzen konnte.

Fälschungen sind so alt wie die Künstler, die die Kunstwerke über die Jahrhunderte anfertigten. Im Laufe der Zeit haben sich die Techniken der Fälscher und der Kunstdetektive verbessert. Die Fälscher benutzen immer intelligentere Techniken. Gleichzeitig steigen die technischen Hilfsmittel der Wissenschaftler, um Fälschungen nachzuweisen. Diese Wissenschaft wird als Archäometrie bezeichnet. Nachdem die Techniken, um Fälschungen nachzuweisen, immer fortschrittlicher werden, sind die Fälscher gezwungen, nicht nur Käufer und Händler aber auch wissenschaftliche Tests zu täuschen. Eine sehr kostspielige Angelegenheit, was das Fälschen mittlerweile sehr kostspielig macht.

Van Gogh entpuppt sich als unecht

Head of a man

Das Gemälde kam 1939 während einer Wanderausstellung nach Australien

Das Gemälde „HEAD OF A MAN“ war im Besitz der National Gallery of Victoria in Melbourne, Australien seit 1940 und wurde auf rund £10.5 Millionen geschätzt. Nach einer Serie von Tests stellten Experten in Amsterdam fest, dass das Gemälde von einem anderen Maler als Van Gogh aber nur aus derselben Epoche stammt.

Das Kunstwerk stellt einen lockigen, bärtigen Mann vor einem braunen Hintergrund dar. In einer Pressemitteilung erklärte Museumsdirektor Gerard Vaughan, dass das Gemälde für mehr als 10 Jahre als ‚echter Van Gogh’ akzeptiert war, bevor das Museum sich entschloss es zu kaufen. Die Neubewertung von Gemälden sei Teil des täglichen Lebens für jede Galerie, sagte er.

Das Gemälde wurde im Jahr 1939 von dem Zeitungsverleger Sir Keith Murdoch im Zuge einer Wanderausstellung nach Australien geholt. Es verblieb dort nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und wurde von der National Gallery of Victoria (Melbourne) für £1.680 gekauft.

Erste Zweifel kamen im August 2007 auf, als das Gemälde in der Dean Gallery in Edinburgh, Schottland ausgestellt wurde. Kritiker behaupteten, dass das Kunstwerk sich von anderen Van Gogh Werken aus demselben Zeitraum unterscheidet. Außerdem wurde es nie von van Gogh in seinen Aufzeichnungen und Briefwechseln erwähnt. Nach der Ausstellung wurde das Bild nach Amsterdam geschickt, um es von Experten des Van Gogh Museums auf Echtheit zu überprüfen.

Mr. Vaughan sagte, er möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Gemälde keine gezielte Fälschung war, sondern nur falsch bewertet wurde. Es gibt keine Beweise dafür, dass jemand das Bild bewusst malte, um es als Van Gogh auszugeben, sagte er.

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